Newsletter 01-2020

Nach der Coronakrise ist noch immer Klimakrise

Was für seltsame Zeiten! Wer hätte sich Anfang des Jahres gedacht, dass ein Virus unser soziales und kulturelles Leben so plötzlich auf den Kopf stellt und die globale Wirtschaft praktisch zum Erliegen bringt?

Das Bedrohungsszenario von Covid-19 war so brutal und unmittelbar, dass wir uns geschlossen und äusserst willig für Wochen in Selbstisolation begeben haben. Demokratie war abgesagt, Blockwartmentalität war zu spüren, phasenweise beschlich einen das Gefühl, "so muss es in der DDR gewesen sein". Andererseits war von der Erholung der Natur die Rede, wie schnell sie sich ihr Territorium wieder zurückholt und dass die CO2-Emissionen heuer (zumindest vorübergehend) signifikant sinken werden.

Mindestens ebenso brisant wie die Corona-Krise ist die Klimakrise, an deren Anfang wir uns befinden. Die Auswirkungen der Erderhitzung werden Milliarden von Menschen massiv betreffen (auch uns), in etlichen Weltgegenden sind sie jetzt schon gravierend. Aber nach wie vor reagieren wir nur sehr zögerlich und nicht angemessen genug auf die Bedrohung der Klimakrise. Die Corona-Pandemie hat hingegen gezeigt, dass selbst bislang unvorstellbare staatliche Eingriffe von einer breiten Mehrheit akzeptiert werden - bei angemessener Krisenkommunikation.

Zur Bewältigung der Klimakrise wären weit weniger tiefe Einschnitte in unser Alltagsverhalten notwendig als bei der Corona Pandemie. Doch warum funktioniert bei der Klimakrise nicht einmal das? Obwohl kaum noch jemand den anthropogenen Treibhauseffekt anzweifelt, er eine schiere Messtatsache ist, die Auswirkungen auch bei uns jetzt schon spürbar sind, obwohl jeder im Grunde weiß, was zu tun wäre, wird die Klimakrise maßlos unterschätzt. Wir handeln einfach nicht bzw. viel zu wenig ambitioniert.

Psychologen erklären sich das ungefähr so: "Dank unseres evolutionären Erbes reagieren wir bis heute vor allem auf Bedrohungen, wenn sie sich uns darstellen wie ein drei Meter entfernter Säbelzahntiger: Sichtbar, bekannt, direkt gefährlich d.h. hinsichtlich Zeit und Ort unmittelbar, ein einfacher Zusammenhang mit absehbaren direkten negativen Konsequenzen. Covid-19 ähnelt dem Säbelzahntiger mehr als es das Klima es tut." Der Klimakrise fehlt diesbezüglich die Unmittelbarkeit, die bekommt sie erst, wenn es zu spät ist, wenn uns CO2-Reduktionen nicht mehr helfen, da Treibhausgase, wie wir wissen, hundert Jahre und mehr in der Atmosphäre verweilen und wirken. Die Klimakrise ist also nach wie vor zu abstrakt hinsichtlich Zeit, Ort und Auswirkungen. Ein einziger schneereicher Winter und die fünf zu warmen davor sind vergessen. Die Klimakrise bedroht das Leben derer, die sie verursachen, nicht unmittelbar, sondern "nur" das ihrer Kinder, Enkel und Urenkel. Dann aber kann sie, nach aktuellem Kenntnisstand der Wissenschaft, für unsere komplette Zivilisation existenzbedrohend werden.

Also, was tun?

Wir können lang und breit über die psychologischen Unterschiede, wie wir mit Krisen umgehen bzw. sie erleben oder nicht erleben, diskutieren. Wir können uns bedauern, weil wir nur ein kleines Land sind und unsere CO2-Emissionen nicht ins Gewicht fallen (was historisch gesehen falsch ist) oder wir kommen endlich ins Handeln. Jeder für sich, beim Konsum, bei der Ernährung, bei der Urlaubsplanung (fällt heuer zugegebenermaßen relativ leicht), beim Heizen, bei der Mobilität,... wir haben viele Möglichkeiten, unseren CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Und wir müssen das selbst in die Hand nehmen, auf die Politik zu warten ist zu wenig. Wir müssen raus aus dem Öl und ab in die Zukunft. Jetzt!

Ein paar Größenordnungen

Die International Energy Agency (IEA) schätzt den Rückgang der CO2-Emissionen aufgrund der Corona Pandemie auf rund 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist der Rückgang um das Sechsfache größer als nach der Wirtschaftskrise 2008. Rein aus Klimaschutz-Perspektive klingt das erstmal positiv. Was aber den wenigsten bewusst ist, ist dass diese 8% gerade einmal der ohnehin notwendigen Treibhausgas-Reduktion von 7,6 Prozent jährlich bis 2030 entsprechen, die notwendig sind, um die maximale Erwärmung bei +1.5 Grad Celsius zu begrenzen. Jeder kann sich nun intuitiv vorstellen, welche Kraftanstrengung dieses 1.5° Grad Ziel für die Menschheit bedeutet. Davon abgesehen, wird die atmosphärische CO2-Konzentration auch dieses Jahr weiter steigen, wie die "Keeling Kurve" der atmosphärischen CO2-Konzentration am Mauna Loa auf Hawaii leider eindrucksvoll zeigt. Darauf hat der weltweite Lockdown relativ wenig und auch nur kurzfristigen Einfluss.

Den persönlichen CO2-Fußabdruck zu verringern bringt nichts...ist total falsch

So gesehen ist es natürlich naiv, zu glauben, die Reduktion unseres persönlichen Fußabdrucks könnte das Weltklima retten. Auch wenn wir unsere komplette globale Mobilität einstellten, würden wir die CO2 Emissionen um gerade einmal 24% reduzieren (in Österreich um 30%). 41 Prozent der globalen CO2 Emissionen entstehen in der Strom und Wärmeproduktion (und da vor allem aus Kohle) und weitere 25% durch industrielle Prozesse.

Dennoch sind wir in Österreich natürlich Teil des fossilen Wirtschaftssystems, unsere Pro-Kopf-Emissionen liegen bei 7t CO2 jährlich (ähnlich wie China), das ist weit mehr als der globale Durchschnittswert (4,4 t CO2/Kopf), das Vierfache Asiens (ohne China) und das Siebenfache der Pro-Kopf-Emissionen am afrikanischen Kontinent (ohne Südafrika).

Unseren persönlichen CO2-Fußabdruck zu verringern macht aus dieser Perspektive also absolut Sinn: Erneuerbare Energien effizient nutzen, regional, saisonal und bio einkaufen, die eigene Mobilität überdenken (Stichwort Home Office) ...wir wissen ja, dass das gut ist für uns und unsere Umwelt. Und wäre die Klimakrise ebenso unmittelbar für alle spürbar und bedrohlich wie SARS-Cov-2, wären wir schon längst voll in Action, hätten ein vernünftiges Bepreisungssystem für unsere CO2-Emissionen, das klimafreundliches Verhalten belohnt und klimaschädliches Agieren sanktioniert und hätten längst erkannt, welche enormen volkswirtschaftlichen Potenziale in einer sauberen Energiezukunft und Selbstversorgung liegen.

Die Klima- und Energiemodellregion Alpbachtal möchte Sie bei Ihrem Handeln bestmöglich unterstützen: durch kostenlose Förderberatung bzw- unterstützung, kostenlose Energieberatung, Bewusstseinsbildung in Schulen, Veranstaltungen, eCarsharing, die Ridesharing-Plattform Ummadum, durch den Aufbau einer lokalen Einkaufsgemeinschaft für regionale Lebensmittel etc.

Global Denken. Lokal Essen

Kurz vor knapp, gerade noch vor dem Lockdown konnten wir unseren Vortrags- und Diskussionsabend im Volksspielhaus Kramsach abhalten. 150 Teilnehmer bewiesen das große Interesse an einer lokalen Ernährungsinitiative.

Wir möchten nun Nägel mit Köpfen machen und das Projekt "Bewusst Einkaufen im Alpbachtal" starten. Wir suchen daher Konsumenten und Produzenten, welche sich aktiv an der Gestaltung der Gründung der Einkaufsgemeinschaft beteiligen möchten.

Ab 2021 stünde uns mit dem ehemaligen Voldöpperwirt in Kramsach auch eine großartige Lokalität für ein Gesamtkonezpt mit Laden, Cafe und Vereinslokal zur Verfügung. Bis dahin suchen wir aber noch nach einem Lager, wo wir uns zum Start als Einkaufsgemeinschaft organisieren können. Michaela Brötz von der Speisekammer Schwaz wird uns dabei gerne unterstützen.

Wenn Sie sich an unserer Initiative beteiligen möchten, dann freuen wir uns über Ihre Rückmeldung an info@alpbachtal2050.at. Je nachdem, wie groß das Interesse ist, entscheiden wir, wie wir einen Corona-konformen Workshop gestalten können.

Eine Nachlese zur Veranstaltung "Global Denken. Lokal Essen" vom 5. März gibt es hier.

50 Prozent Förderung für den Öl-Ausstieg

Der Heizungstausch wird auch in diesem Jahr mit bis zu 50 Prozent gefördert. So günstig war der Umstieg zu einer sauberen Pellets- oder Wärmepumpenheizung noch nie. Bei 600.000 Ölheizungen, die in Österreich noch betrieben werden, wirds auch dringend Zeit. Also: Raus aus dem Öl und ab in eine saubere Wärmezukunft! (Fotorecht: Energie Tirol).

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Das ideale Heizsystem finden: Hexit & Heizungskompass

Vor dem Heizungstausch stellt sich natürlich erst einmal die Frage nach dem geeignetsten Ersatzsystem. Welche Heizung passt zu welchem Haus in welcher Lage? Welches System beheizt das eigene Wohnobjekt am effizientesten, umweltschonendsten und wirtschaftlichsten? Die Energieinstitute der Länder Tirol und Vorarlberg unterstützen Sie bei dieser Frage mit dem "Heizungskompass" bzw. dem "Hexit".

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Ein Lastenrad für Alpbach

Seit kurzem ist der Recyclinghof in Alpbach mit einem 3-rädrigen Lastenrad ausgestattet. Der Bergriff "Lastenrad" wird dem Hightec-Gefährt aus Bayern eigentlich nicht mehr gerecht. "Lasten E-Bike" nennt man dieses vollgefedertes Gefährt. Die Klimaschutzbeauftragte und Recyclinghof-Leiterin Renate Candlin freut sich jedenfalls sehr ob dieser innovativen und klimafreundlichen Transportlösung.

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