Die letzten Spuren der Brandenberger Holztrift

2. KLAR! Dorfdialog


Führung mit Dr. Thomas Bertagnolli – Experte für Wirtschaftsgeschichte

Freitag 11.11. um 14 Uhr

Der erste schriftliche Nachweis der Holztrift an der Brandenberger Ache stammt aus dem Jahr 1412 von einer Urkunde, die im Rattenberger Stadtarchiv zu finden ist. Bis ins 20. Jahrhundert sollte sie ein wesentlicher Bestandteil des Tales und von Kramsach bleiben.

Im großen, dicht bewaldeten Einzugsgebiet der Brandenberger Ache, die ihren Ursprung am bayerischen Spitzingsee hat und sich von dort als Valepp (früher "Vuldepp") ihren Weg nach Süden bis zum circa 30 km entfernten Inn durch mehrere Klammen bahnt, begannen zur Zeit des Frühkapitalismus Holzarbeiten im großen Stil. Das aufkommenden Berg- und Hüttenwesen im Inntal verschlang Unmengen an Energie. Das Holz aus dem Tal wurde als Gruben-, Brenn- und Kohlholz verwendet.

Bis zu 160 Holzarbeiter arbeiteten im Tal. Im Sommer wurde das Holz geschlagen, im Winter über den Schnee auf Schlitten ins Tal zum Bach gebracht, von wo es im Frühjahr und Sommer (von April bis August) über die Trift hinaus bis Kramsach gebracht wurde. Am Anfang wurde das Holz mittels des Schmelzwassers und bei Hochwasser befördert, später wurden im hinteren Talbereich sogenannte Klausen errichtet. So konnte das Zuflusswasser gesteuert werden. Die größte, die Erzherzog Johann Klause, wurde 1833 aus Holz erbaut, öfter erneuert und erweitert und 1937 dann teilweise betoniert.

Von der Klause wurden die Bloche (Holzstämme mit maximal 4 Meter Länge) über die Ache bis Kramsach geschwemmt. Die "Fahrt" für die 26 km dauerte circa 2,5 Stunden. Manchmal kam es zu gefährlichen "Fuchsen" - wenn sich die Stämme in der Klamm verklemmten. Diese musste dann von Hand oder mit Sprengstoff gelöst werden.

In Kramsach überbrückte ein großer Rechen die Ache und die Bloche wurden von dort in sogenannte Lauche (Seitenkanäle) geleitet. In der Länd (von an Land bringen) wurden sie dann aussortiert und von dort weitertransportiert.

Wo heute der Fußballplatz ist, endeten die Gleise, die direkt nach Brixlegg zur Berghütte liefen. Weiter oberhalb im heutigen Gewerbegebiet Hagau waren die Kohlemeiler, wo das Holz zur Holzkohle verarbeitet wurde. Der heutige Ortsteil Elend erinnert noch an die damals sicher nicht so angenehme Gegend.

1966 fand die letzte Holztrift statt. Einige der Teilnehmer:innen konnten sich noch daran erinnern, ebenso an die gefährliche und ungesunde Arbeit der Trifter.


Bei einem gemütlichen Ausklang im Café Central tauschten sich die Teilnehmer:innen noch einige alten Geschichten aus oder diskutierten über die Zukunft der Brandenberger Ache.

Welche Bedeutung hat die Ache vor allem auch in Hinblick auf den Klimawandel - wenn die Hitzetage, die Sonnenstunden, aber auch die Starkniederschläge zunehmen werden.

Renate Doppelbauer gab einen Einblick in die relevante Klimadaten der Region Alpbachtal.

Diese sind auch hier nachzulesen: Klimaindizes

Dr. Thomas Bertagnolli bei seinen bildreichen Ausführungen

Auch die kleinen Zuhörer:innen waren interessiert dabei!

Der unscheinbare, letzte Mauerrest

Entlang des heutigen Tennisplatzes verliefen die Lauche

Quellennachweis und Literaturtipp:

Dr.Wolfgang Rebitsch: Vom Triften und Treten - G´schichten rund um die Brandenberger Ache, Reith i.A., Edition Tirol, 2017